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Hinter der Glasscheibe oder das Theater des Lebens.

Hinter der Glasscheibe oder das Theater des Lebens.

 

Drei Wochen.

Wie bitte?

Vakuum.

Was hast Du gesagt?

 

Jetzt bin ich schmerzfrei. Dem Himmel und Herrgott sei Dank.

Ich kann das Bett nicht mehr ansehen.  Etwa 5x mal habe ich es in drei Wochen frisch bezogen – erst wegen der Schmerz-Schweiß-Anfälle, dann weil ich die immer gleiche Bettwäsche nicht mehr ansehen konnte.

Ich will mich nicht mehr ausruhen.

 

Erst Erkältung. Dann Mittelohrentzündung.  Tag 23.

Das Ohr ist immer noch zu.  Als wäre Wasser darin. Als Kind hatte ich das oft nach einem tollen Schwimmtag am See oder im Freibad. Dann auf einem Bein hüpfen, es macht irgendwann PLOP und das Ohr ist auf – Ahhhh. Endlich wieder gleichmäßig hören.

Leider nützt hüpfen jetzt nichts. Der Arzt sagt: das dauert. Auch das will ich nicht hören. Ich will richtig hören.

Die Arzthelferin: Sie müssen jetzt mit sich geduldig sein.....das will ich auch nicht hören.

 

Und vielleicht weil ich nicht hören will, bin ich jetzt im Vakuum. So wie hinter der Glasscheibe. Oder unter der Käseglocke.

Ich sehe. Menschen unterhalten sich. Sie reden. Viel Bewegung.  Mund auf und zu . Ob mit mir, kann ich nicht wirklich sagen. Ich kann nur vermuten. Und das strengt wirklich an.

Hat sie mich jetzt gemeint ?

Wie bitte? 

Und dann halte ich mein „gesundes“ Ohr hin, um wenigstens ein bisschen zu hören. Ich konzentriere mich auf die Körperhaltung, die Mimik, versuche die Wortfetzen zu einem sinnvollen Satz in meinem Kopf zu formulieren.  Nach maximal einer Viertelstunde Konversation verlässt mich die Konzentration. Entweder, weil mir trotz überaus bemühter Anstrengung der Sinn des Gesprächsflusses immer wieder entrinnt, oder weil ich einfach nicht mehr kann.

Die Antibiotika sind ja so fiese Kraftkiller – allein das Wort schon Anti- Bio-....kein Wunder, dass da der Lebenssaft nur noch in Minidosis zur Verfügung steht. Und dann freue ich mich doch wieder auf mein Bett – Kraft tanken.

 

Wenn ich schließlich wieder in meinem Vakuum – Käseglocken – Bett liege, dann glaube ich manchmal eine Ahnung von Taubheit zu haben. Es ist still, eher dumpf. Aber nicht ruhig. Es tun sich viele Welten in der dumpfen Stille auf. Geschichten, Fantasien, alles sehr intensiv. Ich fühle mich ein bisschen fremd gesteuert und ausgeliefert. Es passiert einfach.

 

Nicht zu hören, ist ein Chance ganz für sich zu sein. 

Gar nicht so einfach.

Es ist wie ein Rückzug, den ich so gar nicht geplant und schon gar nicht gewollt hatte. Und jetzt werde ich zurückgezogen.

Mein Fazit: das Leben geht seine eigenen Umwege. Mich dem aktuellen Rückzug zu entziehen, ist nicht machbar. Ohnmacht erfasst mich.

Was bleibt?

Geduld üben und die Zeit des Rückzugs nützen.

Tag 24.

Mein Ohr ist noch immer taub. Aber ich habe jetzt eine Antwort.

Als „Zurück-Gezogene“ habe ich die Chance zu beobachten. Ich sehe ja alles um mich herum! ... durch die Glasscheibe. Was ich sehe, ist das Theater des Lebens.

Sehr spannend.

Viele Kapitel.

Und plötzlich kann ich ein bisschen mehr von der Anstrengung endlich wieder zu hören loslassen. Ich fühle mich unterhalten und nehme die Rolle der Beobachterin an.

Auf der Bühne des Lebens, werden ganz sicher auch meine Romanfiguren auftreten. Und darauf freue ich mich schon am meisten.

Ein Wiedersehen, das fröhlich, tragisch, humorig, dramatisch und noch ganz viel mehr wird. All das werde ich von Herzen gern mit Euch teilen.

 

Bis dahin, mit Liebe,

Eure beobachtende

Marya